Dubai-Story: Bademeister in der Wüste

Von der großen Lust auf Wasser in einer Gegend aus Sand
Rettungsschwimmer-Station am Strand von Dubai

Rettungsschwimmer-Station am Strand

Für Sanath Vithana war das Meer immer der große Bruder. Er ist mit dem Ozean an seiner Seite aufgewachsen, stammt aus dem Küstenort Bentota auf Sri Lanka, kann die Kraft der Wellen genau einschätzen, weiß um die Unterwasserströmungen, um Gezeiten, Schlingpflanzen und Fische.

Jetzt ist er Bademeister in der Wüste, trägt zum weißen T-Shirt mit Lifeguard-Schriftzug eine blaue Uniformhose.

Sein neues Meer ist eher ein jüngeres Geschwisterchen, ist zwei Meter tief, dreißig Grad warm, ein paar Schwimmzüge lang. Und der Sprung hinein ist herrlich erfrischend. Über den Beckenrand blickt er in die Rub al Khali, in die Dünen der Wüste. Zu retten gibt es hier draußen wenig.
Pool des Hotels Bab al Shams, Dubai

Pool des Hotels Bab al Shams

 


Sanath Vithana passt am Pool des Hotels „Bab al Shams“, dem „Tor zur Sonne“, auf, dass niemandem beim Schwimmen etwas geschieht.

Das Becken im Meer aus Sand hat sich ein Architekt ausgedacht, das dazugehörige Hotel ein Investor vierzig Kilometer außerhalb Dubais in der Wüste – errichtet im Stil einer alten Lehmfestung.

Der Pool durfte nicht fehlen, denn Luxus verkauft sich gut. Und der größte Luxus in der Wüste ist Wasser.

Park in Dubai mit Palmen, Büschen und Bäumen

Alles, was es eigentlich nicht gibt, ist Statussymbol in den Scheichtümern am Golf: im direkten Vergleich mit dem Nachbarn vom Grundstück nebenan sowie zwischen Investoren. Und zwischen den Emiraten untereinander. Süßwasser zählt dazu – und alles, was man mit Wasser erreichen kann.

So lassen sich die Scheichs auch den prestigeträchtigen Traum vom Grün sehr viel Geld kosten. Deutlich über 100 Millionen Bäume und Büsche sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten, vor allem auf dem Staatsgebiet Abu Dhabis und Dubais, seit Beginn der Begrünungsbemühungen vor drei Jahrzehnten offiziellen Zahlen zufolge gepflanzt worden, dazu etwa 40 Millionen Palmen. Fünf Prozent der Fläche des Emirats Dubai sind heute begrünt, acht sollen es den ehrgeizigen Plänen zufolge werden.
Wild Wadi Waterpark, Dubai

Wild Wadi Waterpark

Bevor er in die Wüste versetzt wurde, hat Sanath Vithana aus Sri Lanka Dienst an der Wildwasserrutsche geschoben – im Wasserfreizeitpark „Wild Wadi“ in Dubai. Gerade an heißen Tagen ist das eine große Attraktion für alle, die in Dubai leben, arbeiten oder Urlaub machen und eine Abkühlung suchen.

Denn wer vor allem Sand um sich hat, freut sich ganz besonders über reißende Flüsse zwischen Strand und Wüste, über feucht-fröhliche Sturzfahrten im Aufblas-Gummireifen auf der Riesenwasserrutsche.

Heerscharen von Aufpassern hocken dort auf ihren Hochsitzen in den künstlichen Flusskurven und warten darauf, im Fall der Fälle auf Arabisch oder Russisch, auf Urdu oder auch auf Deutsch zu retten. Sanath war einer von ihnen, ehe er ans „Tor zur Sonne“ wechselte.
Strand von Dubai, VAE

Um keinen Anstoß zu erregen und nicht ungewollt zum Rettungsschwimmer oder der Rettungsschwimmerin der Träume erhoben zu werden, haben die Bademeister weite T-Shirts und züchtige knielange Schwimmhosen an.

Das echte Meer, der echte Strand – all das ist nur ein paar Schritte von der künstlichen Welt der reißenden Bäche entfernt und kostet keinen Eintritt. Nur gibt es dort kaum einen Grund, so herrlich zu kreischen wie bei einer Sturzfahrt auf der Wasserrutsche. Dafür ist der Blick besser: auf Baldachin-Strandzelte und die bunten Segel von Leih-Katamaranen, auf Surfer, Beach-Bars. Und auf das Burj al Arab.

 


Autor: Redaktionsbüro Reise & Reportage / Helge Sobik


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