Drei Tage in und um Neapel

Ein Reisebericht unseres Community Mitglieds "philly"

London? Klar, da muss man gewesen sein!

Barcelona? Natürlich, ein sonniger Klassiker!

Paris? Unbedingt, die Stadt der Liebe!

Neapel? Gut, Neapel. Das dachten wir uns auch. "Muss" man das auch gesehen haben? Schließlich konnten wir einen unschlagbaren Flug-Deal nicht ablehnen und haben drei Tage im Herzen Kampaniens verbracht. MIt diesem Reisebericht möchte ich euch die Chance geben, euch ein Bild zu machen, ob sich die Reise lohnt – und euch natürlich meine eigene Meinung zusammen mit Organisations-, Transport-, und Spar-Tipps mit auf den Weg geben...der euch vielleicht schon bald nach Italien führt :-)

Ankunft und Anschluss in die Stadt

Im Flughafen war noch alles perfekt organisiert und verlief reibungslos – der Anschluss vom Flieger in die Stadt ist der wunde Punkt. Will man nicht in ein teures Taxi steigen, bleibt nur noch der sogenannte Alibus, um in die Innenstadt zu kommen. Preislich liegt die Fahrt bei 4€ pro Person, der Bus fährt laut Plan (werktags) alle 20min und die Fahrt dauert - je nach Haltestelle in Neapel - ca. 15 - 30min. Das Ticket ist insgesamt 90min gültig und kann für Weiterfahrten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln genutzt werden.

Das Problem: Der Bus kommt sprichwörtlich "irgendwann", der Fahrplan ist also mehr Show als Orientierung und das Fahrzeug wird mit Reisenden "vollgestopft" bis der letzte Zentimeter ausgenutzt ist. Daher die Empfehlung: Geduld mitbringen und viel Zeit einplanen für die Wege vom und zum Flughafen, auch wenn ihr euch gegen den Bus und für ein Taxi entscheidet. Der Verkehr in der Metropole ist nicht zu unterschätzen!

Die clevere Unterkunft

Unserer Erfahrung nach sind die besten Lagen für eure Unterkunft entweder in der Nähe des Hauptbahnhofs Napoli Garibaldi oder noch mehr in der Innenstadt nahe der Napoli Porta Nolana. Diese Empfehlungen haben mit der Anbindung zu den Öffentlichen zu tun, mehr dazu später! Als Spar-Tipp würde ich die Gegend um den Hauptbahnhof empfehlen: Man ist super angebunden, kann auch zu Fuß sehr schnell zum Stadtkern laufen und es ist natürlich einfach günstiger als das Zentrum. Werbung für ein bestimmtes Hotel möchte ich jetzt nicht machen, das ist heute, wo sich Preise ständig ändern und überall Bewertungen zu finden sind, finde ich auch nicht nötig.

Tag 1: Neapel im Getümmel, in versteckten Gassen, von oben und am Meer

Vorweg: Da wir nur einen Tag für die Stadt selbst eingeplant haben, fassten wir keine Stadt-Museen oder historische Stätten mit "Bezahlschranke" ins Auge (mit einer Ausnahme). Uns war es wichtiger, den Flair der Stadt zu genießen, verschiedenste Ecken, verwinkelte Gassen und versteckte Straßen zu erkunden – und wir fuhren sehr gut mit dieser Entscheidung!

Recherchiert am besten die für euch interessantesten Punkte, um dann den Tag über einen "Rundweg" zu gehen, der die Punkte miteinander verbindet. Folgende "Stationen" auf dieser Tour haben wir uns als Highlights herausgepickt, die ihr natürlich noch um eure individuellen Vorlieben ergänzen könnt!

Lichtung in der Nähe von Pompei
Lichtung in der Nähe von Pompei

Tipp:

Holt euch gleich am ersten Tag die campania>artecard, eine wirklich tolle Sache: Es handelt sich dabei um eine Touristenkarte, die es in verschiedenen Ausführungen gibt. Für die hier beschriebene Reise ist die campania>artecard Tutta la regione die perfekte Variante: DIe Karte für 32€, bzw. 25€ für junge Leute bis 25 Jahre ist 3 Tage lang gültig und hat – bis auf ausgewählte Express-Züge – unbegrenzt Fahrten für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Kampanien inkludiert, also auch die Fahrt zum Vesuv oder nach Sorrent. Auch mit dabei ist kostenloser Eintritt für zwei aus über 80 frei wählbaren Attraktionen, weitere Eintritte sind rabattiert. Bei der Karte für junge Leute sind sogar unbegrenzt Eintritte für die Attraktionen gratis. Die Karte gibt es an mehreren Verkaufsstellen in der Stadt zu erwerben.

Mit der campania>artecard in der Tasche könnt ihr natürlich gleich kostenlos die Öffentlichen nutzen, um die Stadt zu erkunden. Meine Empfehlung jedoch: Versucht sie so weit es geht zu vermeiden. An den weiteren zwei Reisetagen könnt ihr sie noch genügend nutzen, um Kampanien weiter zu erkunden. In der Stadt sind die Ubahn-Züge jedoch stickig, voll, alt und einfach so gar kein Ort, an dem man sich wohl fühlt. Wir machten die besten Erfahrungen damit, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Es machte riesig Spaß, spontan in eine Gasse abzubiegen, die mit typisch italienischem Charme unsere Neugierde weckte. Es ist einfach ein anderes, "tieferes" Erlebnis, nicht nur Touristenpunkt A, B und C zu besuchen, sondern den Weg dazwischen zu erkunden und dabei die Überaschung D, E und F zu entdecken!

Hafenspaziergang mit Burgblick

Zugegeben, man darf sich keinen charmant-ruhigen Fischerdörfchen-Hafen vorstellen. Neapel ist laut und auch für's Auge an vielen Stellen weit weg von einer malerischen Märchenstadt. In dieses Schema fügt sich auch ein Spaziergang entlang des Hafens ein. Doch wer sich die Metropole nicht als urbanes Disneyland vorstellt wird meiner Meinung nach nicht enttäuscht, sondern sammelt wertvolle Eindrücke, die den Horizont eines weltoffenenen Reisenden und keine angeberischen Bilderbuch-Instagram-Accounts erweitern.

Ein Ost-West Spaziergang führt vorbei an imposanten Kreuzfahrtschiffen, kleineren Shuttle-Schiffen zu den umliegenden Inseln, prunkvollen Yachten und schließlich zum Castel dell’Ovo, einem der bekanntesten Bauwerke Neapels. Die beachtliche Befestigung, deren Bau bereits im 1. Jahrhundert v.Chr. begann, kann kostenlos besichtigt werden! Nachdem man das oberste Level nach nur wenigen Minuten erklommen hat, bietet sich ein abwechslungsreicher Ausblick über die Stadt, das Meer, den Hafen und sogar den Vesuv! Kurze Zeit später verzogen sich alle Wolken, doch als wir auf der Burg waren bot sich uns leider nur ein sehr trüber Panorama-Blick...daher das Bild auch gleich in schwarz-weiß :-) Direkt vor der Burg der Yachthafen, links Stadt und "Haupthafen", gegenüber der in mystisch-grauen Wolken gehüllte Vesuv.

Blick vom Castel dell’Ovo in Richtung Osten
Blick vom Castel dell’Ovo in Richtung Osten
Basilica San Francesco di Paola
Basilica San Francesco di Paola

Auf dem charmanten Bruder des Petersplatz

Wer braucht schon Rom, wenn man in Neapel mit der Piazza del Plebiscito die kleinere, weniger von Touristen überfüllte Variante des Petersplatz geboten bekommt? Hier stoppten wir kurz und ließen den beachtlichen Ort auf uns wirken, bevor wir einen Abstecher in unser Highlight unter den angrenzenden Gebäuden machten: Die Basilica San Francesco di Paola. Architektonisch erinnert die Kirche stark an das Pantheon – wurde jedoch erst lange, lange Zeit später im Jahr 1836 fertiggestellt.

Tipp: Ganz in der Nähe befindet sich die Galleria Umberto I – eine wunderschöne, sehr ansprechend gestaltete historische Einkaufspassage. Vergesst bei eurem Besuch aber nicht, auch nach unten zu sehen: Uns haben es vor allem die sehr kreativ umgesetzten Bodenmosaike angetan.

Die Krone der Stadt

Das Castel dell’Ovo hatte uns noch nicht gereicht und wir wollten noch ganz hoch hinaus. Aus Erfahrung können wir sagen: Auch wenn sich bei eurem möglichen Besuch die Sonne von ihrer besten Seite zeigt, die Temperaturen dementsprechend hoch sind und ihr schon etwas geschafft seid von eurem bisherigen Tag – geht zu Fuß zum Castel Sant'Elmo, der Aufstieg lohnt sich! Immer wieder staunten wir auf dem Weg über fabelhafte Ausblicke und über bunte, "typisch italienische" Gassen.

Von der Burg aus geht es nochmal ein gutes Stück nach oben, wobei man in den Gängen der Burg läuft. Diese Etappe machte uns aber gar nichts mehr aus, dafür war es viel zu spannend, das Innere der Burg zu erkunden.

Der lohnende Ausblick
Der lohnende Ausblick

Tipp:

Der Eintritt zum Castel Sant'Elmo kostet 5€ – mit der campania>artecard kommt man gratis in die Burg, was auch an der Kasse beworben wird. Ich rate euch jedoch davon ab, einen eurer zwei "Joker" für kostenlosen Eintritt dafür zu verwenden: Für die zwei folgenden Tage stelle ich noch sinnvollere Optionen vor, die Joker zu nutzen, für die ihr ansonsten mehr als 5€ bezahlen würdet.

Wenige Minuten später war es dann so weit und der absolute Höhepunkt des Tages erwartete uns: Ein atemberaubender Panaroma-Blick über Stadt, Vesuv, Meer und so viel mehr. Auch mit der Panorama-Funktion des Handys konnten wir nur einen Bruchteil des tollen Ausblicks einfangen...ihr müsst es also wohl oder übel selbst ausprobieren ;-)

Bewegender Blick über eine fast vergessene Stadt
Bewegender Blick über eine fast vergessene Stadt

Tag 2: Der Vesuv und sein fast vergessenes antikes Opfer – das Herculaneum

Den nächsten Tag begannen wir mit einer kleinen Zugfahrt. Ohne Umstieg zusteigen kann man am Napoli Garibaldi oder an der Station Porta Nolana– die beiden aus genau diesem Grund eingangs erwähnten guten Lagen für eine Unterkunft. Nach nur ca. einer viertel Stunde Fahrt erreicht man die Station Ercolano Scavi, unseren Ausgangspunkt für den ereignisreichen zweiten Tag unserer Reise.

Historisches Herculaneum

Welcher Ort wurde vom Vesuv verschüttet? Richtig, Pompei! Dass noch eine weitere bemerkenswerte Stadt beim Ausbruch im Jahr 79 n.Chr. zerstört wurde, wissen nur wenige. Zu Fuß in nur kurzer Zeit von der erwähnten Station Ercolano Scavi erreichbar war das Herculaneum unser erstes Ziel. Hier empfehle ich, den ersten Joker der campania>artecard einzulösen und sich den Eintrittspreis von 11€ zu sparen. In der Ausgrabungsstätte erwarteten uns gespenstische Skelettfunde, sensationell gut erhaltene Gebäude und letztendlich pures Staunen. Besucht unbedingt diesen auch für weniger Geschichtsinteressierte imposanten und doch aufgrund seines entsetzlichen Untergangs mystisch-melancholischen Ort und lasst euch Zeit, um die Eindrücke auf euch wirken zu lassen!

Tipp: Die erwähnte Zugfahrt ist im Preis der campania>artecard inkludiert und wird von den sogenannten Circumvesuviana-Zügen durchgeführt. Ein Bild des Streckennetzes findet ihr auf der Internetseite. Ich empfehle euch, vorab die Abfahrtszeiten der ziemlich pünktlichen Circumvesuviana-Verbindungen zu prüfen und auf eurem Handy als Screenshot für die Rückfahrt dabei zu haben. Da man die offizielle Seite schwer findet.

Tipp: Zwischen Herculaneum und Vesuv bietet sich ein Mittagessen an...das man leicht für wenig Geld zu bekommen scheint: Auf dem Weg zwischen Bahnhof und Herculaneum wird man von zahlreichen Service-Mitarbeiterin angesprochen, die für sehr preiswerte Mittagsangebote werben. Ich würde euch jedoch raten, nicht auf das erstbeste Angebot einzugehen, sondern euch gut zu informieren (Tripadvisor), wo ihr in dem Touristenort für gutes Geld auch gutes Essen bekommt.

Der Vesuv (lebt...)

Zurück an der Station Ercolano Scavi findet ihr direkt vor dem Bahnhof unübersehbar mindestens eine Firma, die euch für 20€ inkl. Eintritt in den Kraterbereich zum Vesuv und wieder zurück fährt. Die Busse fahren ab 9:30 Uhr alle 40 Minuten und brachten uns auf schnellstem Wege in ca. 30 Minuten auf den Vulkan.

Am luftig hohen Bus-Parkplatz angekommen führt ein von wunderbaren Panorama-Ausblicken voll gespickter Fußweg bis nach ganz oben zum Krater. Dort angekommen könnt ihr euch entweder ohne Aufpreis einer Führung anschließen oder selbst auf Erkundungstour gehen. Unser Fazit: Einen Berg zu besteigen, der durch seinen ständig aufsteigenden, rauch-schwefelartigen Atem demonstriert, dass er jederzeit wieder seine gewaltige Macht demonstrieren könnte – ein atemberaubendes Erlebnis.

Klare Sicht auf Neapel beim Vesuv-Aufstieg – ein guter Grund, kurz innezuhalten und den Ausblick zu genießen
Klare Sicht auf Neapel beim Vesuv-Aufstieg – ein guter Grund, kurz innezuhalten und den Ausblick zu genießen

Pompei macht sprachlos

Zu Beginn gleiches Spiel wie am Vortag: Zunächst sprangen wir auf den Circumvesuviana-Zug von einem der beiden genannten Bahnhöfe in Neapel, sind dann aber bis zur Station Pompei gefahren – ihr seht, die empfohlene Unterkunfts-Location in Neapel zahlt sich aus! An der Ausgrabungsstätte lösten wir den zweiten Joker ein und sparten uns dank der artecard>campania 13€ Eintritt. In der antiken Stadt hatten wir auch als "weniger Geschichtsliebende" eine wahnsinnig wundervolle Zeit und würden Pompei an die Spitze unserer persönlichen Favoritenliste der faszinierendsten Attraktionen auf Reisen setzen.

Es gäbe so viel zu erzählen, wir waren an jeder Ecke wieder aufs Neue beeindruckt von Atmosphäre, Architektur, dem damaligen Ideenreichtum, der Qualität der erhaltenen Bauwerke und einfach von der Tatsache, durch eine Stadt zu laufen, in der vor fast 2000 Jahren die Zeit angehalten wurde. Nehmt euch den halben Tag Zeit, Pompei in Ruhe zu entdecken, am besten frühmorgens bevor die Reisebusse eintreffen!

Tipp:

Wir haben einen wunderschönen Weg abseits jeglicher Menschenströme auf dem Gelände entdeckt; in den Morgenstunden war auf der gesamten Strecke niemand unterwegs. Wenn ihr euch die Karte anseht, müsst ihr nur zwischen Regio V und VI die Straße in Richtung Norden gehen bis zur Porta Vesuvio. Daneben ist ein kleiner Hügel, der euch einen super Ausblick bescheren wird. Von dort folgt einfach dem Weg Richtung Osten entlang der Regio V immer weiter, bis zum Amphitheater.

Große Vielfalt in einer kleinen Stadt
Große Vielfalt in einer kleinen Stadt

Zurück in die Neuzeit: Maritimes Sorrent

Der letzte Stop führte uns wieder ans Meer. Von Pompei aus brachte uns wiederum der Circumvesuviana nach Sorrent – und oh, haben wir die zweite Tageshälfte dort genossen! Sorrent hat diesen wunderbaren Italien-Kleinstadt- Charme-Sonnenschein-Unbeschwertheits-Mittelmeer-Flair, nach dem sich wahrscheinlich jeder Italien-Reisende nach kurzer Zeit sehnt. Wir blickten auf das unsagbar stark blau schimmernde Meer hinaus, spazierten unbeschwert durch versteckte und lebhafte Gassen, gönnten uns ein fruchtig-nussiges Eis und haben unseren letzten Abend einfach in vollen Zügen genossen. Nach einem gelungenen Tag brachte uns der Circumvesuviana wieder auf direktem Wege zurück nach Neapel, wo wir am nächsten Morgen unseren Heimflug antraten.

Tipp:

Als kleinen kulinarischen Insider abseits von Touristenströmen empfehle ich I Giardini di Cataldo auf der Via Correale, ein Laden, den wir durch Zufall entdeckten. Neben leckerem, selbstgemachtem Eis gibt es zahlreiche hausgemachte Produkte zu erwerben, zum Beispiel vorzügliche Limonade – und das alles zu besseren Preisen als auf der sehr belebten Einkaufs- und Restaurant-Gasse Via Fuoro.

Fazit

Ich dachte mir, ich schreibe ja "nur" über drei Tage, da wird's schon nicht so lange werden. Hiermit entschuldige ich mich, es wurde offensichtlich lang. Aber es ging nicht anders, denn wie ich schon im Titel schrieb und ihr auch an den Bildern seht: Unsere Reise war bunt! Von Kleinstadt-Klima und Großstadt-Getümmel, über atemberaubende antike Attraktionen bis hin zu fesselnd-faszinierender Natur zu Wasser und zu Land – Kampanien bescherte uns so viel mehr Farben und Facetten, als wir es von anderen Kurztrips gewohnt waren.

Daher von unserer Seite ja, man "muss" es gesehen haben! Wer die Reise mit der gleichen Vielfalt noch verlängern möchte wird mit weiteren spannenden Destinationen in der Nähe wie Capri oder der Amalfi-Küste fündig.

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